Diesen Monat - Juni 2026

Zeit der Ernte

Mit großen Schritten ging es, fast ohne Übergang, vom Winter in den Sommer. Hier den Halt nicht zu verlieren, verlangt eine gute Balance. Wer nicht in seiner Mitte steht, den droht es zu zerreißen auf dem Weg von einer Welt des Entweder-Oder, des Sich-Ausschließens und Gegeneinander-Kämpfens in eine Welt des Sowohl-als-auch. Heiß und kalt, schnell und langsam, oben und unten – alles ist gleichzeitig. Panta rei – alles fließt, alles geht vorbei, alles geschieht zugleich.

Es ist wie ein Vorgeschmack auf die Ewigkeit, in der es keine Zeit gibt. Wir säen und ernten im selben Augenblick. Immer schneller scheint das Echo zu uns zurückzukommen. Das kann unangenehm sein, doch zugleich ist es ein Segen. Wer schnell empfängt, was er ausgesendet hat, der überlegt sich gut, was er in die Welt schickt. Karma, das sofort wirkt, hält uns davon ab, andere und unsere Mitwelt schlecht zu behandeln und sozusagen auf Kredit zu leben.


Wenn die Ernte unmittelbar ist, wird der Samen mit mehr Bewusstheit in die Erde gebracht. Das gibt ihm Kraft. Ich habe eine Mohnblume gesehen, die durch den Asphalt gewachsen ist. Feigenbäume wachsen aus Mauern heraus. Was zur Blüte kommen will, das bahnt sich seinen Weg. Von dieser Zuversicht fühle ich mich weiterhin getragen. Sie möchte ich weitervermitteln an diejenigen, die in schwerer Zeit nach Orientierung suchen.


Bald wird es bei mir in Südfrankreich auch einen Ort hierfür geben. Eine einstige Goldschmiede wird zu einer Gedankenschmiede, einem Atelier, in dem aus Blei Gold werden kann, aus einem Problem die Lösung erwächst. Dieser Wandel geschieht nicht allein im Kopf. Er ist eine Erfahrung, die vom Herzen initiiert wird und auch den Bauch mit einbezieht.

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