Diesen Monat - September 2026

Der Blick ins Weite

Ich schreibe von einer Insel im Atlantik, auf der der Sommer zu Ende geht. Die große Hitze ist vorüber. Breit liegt der Strand, die Landschaft gezeichnet von Ebbe und Flut, vom Rhythmus der Gezeiten. Der Blick löst sich vom Alltäglichen und wird weit. Das ist es, was ich suche, um auf die Geschehen in der Welt zu blicken. Abstand ermöglicht es, die Dinge klarer zu sehen und besser einzuordnen. Daher liegt mir auch die Arbeit mit Mythen und Legenden so sehr am Herzen. Anders als die Narrative der aktuellen Zeit enthalten sie ein Wissen, das über einen langen Zeitraum gewachsen ist. Sie sind nicht davon geprägt, Einfluss zu nehmen, sondern davon, Antworten auf Fragen zu finden, die die Menschen seit alters her beschäftigen.

Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Was meinen wir, wofür wir einmal angetreten sind? Welche Rolle spielen wir im Weltgeschehen? Sind wir hier, um zu schlafen, zu essen und zu konsumieren, oder gibt es eine Aufgabe, die wir hier zu erfüllen haben? Angesichts der rasanten Entwicklung der künstlichen Intelligenz stellt sich immer dringlicher die Frage, was einen Menschen zum Menschen macht.


Diesen Fragen können wir mit Gelassenheit begegnen, wenn wir uns gut in dem Boden verankern, auf dem wir stehen. Wer hoch hinaus will in seinen Gedanken, braucht eine starke Verbindung mit dem Grund unter seinen Füßen. Wie stets ist es die Mitte, die es zu suchen und zu finden gilt: zwischen oben und unten, rechts und links, gestern und morgen. Drei sind hier im Spiel. Zwischen dem einen und dem anderen gibt es einen Punkt, von dem aus wir das Schiff auch durch stürmische Zeiten lenken können.

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